Interdisziplinäre Zentrum

für chronisch entzündliche

Darmerkrankungen Salzburg

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Univ. Klinik für Chirurgie Salzburg



Chirurgische Therapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen


Sowohl bei der Colitis ulcerosa, als auch bei Morbus Crohn steht die konservative, medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass etwa 20% der PatientInnen mit einer Colitis ulcerosa und 80% der PatientInnen mit einem Morbus Crohn zumindest einmal im Verlauf ihrer Erkrankung eine operative Therapie benötigen. Ist diese erforderlich, wird sie in enger Kooperation mit den anderen behandelnden Disziplinen, allen voran der Medizinischen Gastroenterologie, der Psychosomatik aber auch der Ernährungsmedizin durchgeführt. Es liegt auf der Hand, dass diese interdisziplinäre Therapieform für die betroffenen PatientInnen den größtmöglichen Vorteil bietet. Wenn der operative Eingriff entsprechend geplant werden kann, wird die Phase vor der Operation durch entsprechende Maßnahmen ausgiebig genutzt.


Die Operationsmethoden selbst sind zum Großteil standardisiert und können heute auch schon laparoskopisch vorgenommen werden. In der Phase nach der Operation wird neben der medikamentösen Therapie ein besonderes Augenmerk auf die Ernährung gelegt, die von speziellen DiätologInnen zusammengestellt wird und die durch die psychosomatische Betreuung ergänzt wird. In der Regel muss man bei allen Operationen mit einem stationären Aufenthalt an der Chirurgie von ungefähr 10 Tagen rechnen. Bei Vorliegen einer Operationsindikation ist das Vorgehen bei Morbus Crohn durchaus anders als bei der Colitis ulcerosa.



Morbus Crohn


Nach eigenen und internationalen Erfahrungen muss man davon ausgehen, dass ca. 80% aller PatientInnen mit Morbus Crohn einmal im Laufe ihrer Erkrankung operiert werden. Mehrmalige Eingriffe liegen im Durchschnitt bei 35% innerhalb von 10 Jahren. Nicht selten, die Angaben schwanken hier zwischen 25% und 50%, bei uns liegen diese Werte deutlich niedriger, muss innerhalb von 10 Jahren mit der Anlage eines „künstlichen Ausganges“ (Stoma) gerechnet werden. In jedem Fall gilt die Devise möglichst auf eine Darmresektion, vor allem einer Dünndarmresektion, zu verzichten. Wenn sich diese nicht vermeiden lässt, soll die Darmresektion sehr, sehr sparsam erfolgen. Muss man operieren, so unterscheiden wir zwischen Notfalloperation und dringlicher Operation, bei der die Operation innerhalb weniger Stunden durchgeführt werden muss und einer relativen Indikation, bei der die Operation von der jeweiligen Situation des Patienten abhängig ist und wo es Alternativen zur operativen Behandlung gibt. Unter die dringlichen und im Notfall gestellten Indikationen fallen die seltenen freie Perforationen (Darmdurchbruch) mit Peritonitis (Bauchfellentzündung), wo sich auch intraabdominelle Abszesse bilden können, sowie ein Darmverschluss oder eine schwere, nicht beherrschbare Darmblutung.


In sehr seltenen Fällen muss bei einem sogenannten „toxischen Megakolon“, das ist eine den gesamten Dickdarm betreffende massive Entzündung, sofort der ganze Dickdarm entfernt werden, da eine Blutvergiftung droht. Zu den relativen Operationsindikation zählen vor allem chronische narbige Veränderungen des Dünndarms, die sich in wiederkehrenden Bauchkrämpfen äußern. Hier wird versucht entweder endoskopisch diese Engstellen zu dehnen oder operativ diese ohne Darmresektion zu erweitern. Zu den Operationsindikationen relativer Art gehören auch die vielen Fisteln die auftreten können. Diese Fisteln entwickeln sich nicht nur um den Anus herum, sondern können auch von Darmschlingen zu Darmschlingen ziehen oder sogar die Harnblase, oder bei Frauen die Scheide erreichen. Um hier die Entscheidung zur Operation zu treffen, müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Auf alle Fälle muss durch den Eingriff, der unter Umständen sehr klein, wie bei einer oberflächlichen analen Fistel, aber auch ein sehr großer Eingriff sein kann, der Nutzen der durch die Operation zu erwarten ist, das Risiko das bei jeder Operation besteht, bei weitem aufwiegen.



Colitis ulcerosa


Der Unterschied zum Morbus Crohn besteht bei der Colitis ulcerosa in der Möglichkeit durch die Entfernung des Mast- und Dickdarms eine Heilung zu erzielen. Zudem treten Komplikationen, die typisch für den Morbus Crohn sind, bei der Colitis ulcerosa deutlich seltener auf, womit Komplikationen auch seltener operiert werden müssen. Gründe für eine Operation, in dem Dick- und Mastdarm in einer Sitzung und das meist laparoskopisch entfernt werden, sind wiederum vielfältig. Vor allem gilt abzuwägen, ob durch eine Operation die schweren Nebenwirkungen einer medikamentösen Langzeittherapie, vor allem mit Cortison, vermieden werden können. Zudem gilt es zu bedenken, dass sich Vorstufen eines Dickdarmkrebses nach einer über Jahre dauernden Entzündungsphase entwickeln können, die rechtzeitig entfernt werden müssen. Auch bei PatientInnen mit Colitis ulcerosa unterscheiden wir zwischen Notfalloperationen und dringlichen Operationen, die bei den seltenen Komplikationen, die eine Colitis ulcerosa bewirken kann, zur Anwendung kommen können und den elektiven Indikationen.


Im Notfall, insbesondere im Rahmen eines massiven akuten Schubes mit Ausbildung eines sogenannten „toxischen Megakolons“, wird der gesamte Dickdarm entfernt und der Dünndarm vorübergehend als „künstlicher Ausgang“ angelegt. In einer zweiten Operation kann dann die Darmwegsamkeit wiederhergestellt werden. Als elektive Operation kommt nach sorgfältigem Abwägen aller Nutzen- und Risikoverhältnissen und in Absprache mit allen anderen an der Behandlung beteiligten medizinischen Disziplinen, die sogenannte restaurative Proktokolektomie in Frage. Bei dieser Operation, die laparoskopisch durchgeführt werden kann, wird der gesamte Dick- und Mastdarm entfernt und der Dünndarm, der an seinem Ende zu einem künstlichen Reservoir umgestaltet wird, wird an den Analkanal angeschlossen. Diese sehr aufwendige Operation führt bei entsprechend genauer Indikation zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der PatientInnen. Eine komplette Normalisierung ihres Stuhlverhaltens kann nicht erwarten werden. Langzeituntersuchungen haben gezeigt, dass die Hälfte der PatientInnen nach dieser Operation gut zurecht kommen, ein Drittel aber deutliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Eine hohe Stuhlfrequenz bis zu 6mal am Tag und nächtliche Inkontinenz sind die Hauptbegleiterscheinungen. Trotzdem haben die PatientInnen verglichen mit der Situation vor der Operation eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.



Für weitere Informationen stehen wir ihnen gerne zur Verfügung:

OA Dr. Adam Dinnewitzer


Tel.: 0662/4482-57363



Sprechstunde:


Jeden Dienstag von 09:00 – 13:00 Uhr in der Ambulanz der Universitätsklinik für Chirurgie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (nach telefonischer Terminvereinbarung)