Häufig gestellte Fragen bezüglich Ernährung
Wie kann ich täglich ausreichend trinken, wenn sich dadurch die Durchfälle verstärken (Konsistenz, Frequenz)?
Die Durchfälle können sich verstärken, wenn der Elektrolythaushalt nicht in Ordnung ist. Deshalb ist eine Laborkontrolle sehr wichtig! Der Elektrolythaushalt kann durch Zufuhr von oralen Elektrolytlösungen (z. B. Elektrolytgetränk der WHO oder durch medikamentöse Lösungen) ausgeglichen werden. Dieses darf nur mit Rücksprache mit dem behandelten Arzt durchgeführt werden. Wenn durch eine jahrelange chronische Entzündung der Darm Schaden genommen hat, kann es aber auch vorkommen, dass nur mehr eine gewisse Menge Wasser aufgenommen werden kann und es bei Überschreiten dieses Quantums Durchfälle resultieren.
Ich kann essen was ich will, ich habe immer wieder Bauchglucksen/-gurgeln – was soll ich tun?
Eine häufige Ursache kann zu hastiges Essen sein, oftmals wird dabei sehr viel Luft mitgeschluckt. Eine diätetische Begutachtung ist von äußerster Wichtigkeit – das Führen eines Ernährungsprotokoll wird empfohlen - Mahlzeitenanzahl, Essdauer, Lebensmittelauswahl, Häufigkeit der Beschwerden. Eine individuelle Ernährungsberatung erfolgt durch Arzt oder DiaetologIn.
Kann man Völlegefühl und Übelkeit durch Ernährung weg bekommen?
Organische, behandelbare Ursachen müssen vorher ausgeschlossen werden. Durch eine entsprechende diaetologische Beratung und ernährungstherapeutische Maßnahmen können diese Beschwerden oftmals gebessert werden.
Was hilft bei Appetitlosigkeit?
Öfters kleine Mahlzeiten. Nur kleine Tellerportionen! Auf die Eiweißzufuhr achten (Eiweißmangel bzw. Mangelernährung führt zu Appetitlosigkeit). Appetitanregende Trinkampullen können unterstützend wirken.
Essigwasser vor dem Frühstück, Ölziehen (Olivenöl) wird immer wieder diskutiert .... sinnvoll?
Dies sind Hausmittel, die eine angebliche heilende Wirkung haben und besonders auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden. Eine tatsächliche Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.
Können (mit und ohne Mikrowelle) aufgewärmte Speisen schaden?
Prinzipiell sollten alle Mahlzeiten frisch zubereitet verzehrt werden. Aufwärmen ist mit oder ohne Mikrowelle möglich. Wichtig sind dabei die hygienischen Vorschriften einzuhalten. Frischgekochte Mahlzeiten rasch abgekühlen und im Kühlschrank bis zum Aufwärmen aufbewahren. Sollten Sie zum Aufwärmen die Mikrowelle benützen beachten Sie wichtige Tipps beim Umgang mit ihrem Mikrowellengerät. Speisen in einem mikrowellengeeigneten, runden und flachen Geschirr aufwärmen. Die Speisen sollten dabei mit einer Abdeckhaube oder einer mikrowellengeeigneten Folie (beständig auf 160°C) abgedeckt werden. Die Mikrowellengeräte liefern uns keine gefährlichen Strahlungen, sondern diese Geräte enthalten ein Magnetron, das die Mikrowelle erzeugt. Diese Mikrowellen sind elektromagnetische Wellen, die mit ihrer Energie die Wassermoleküle eines Lebensmittelproduktes in Schwingungen versetzen. Durch die vorhandene Reibung entsteht Wärme, dadurch wird die Mahlzeit erhitzt.
Muss ich auf Mehlspeisen, Schokolade, Eis etc. verzichten?
Keinesfalls, es muss nur die individuelle Verträglichkeit überprüft werden. Besonders im akuten Schub werden sehr fetthältige und auch blähende Speisen (wie z. B. Germkrapfen, Faschingskrapfen, Pofesen) schlecht vertragen. Mehlspeisen aus Biskuit, Rühr- und Strudelteig zubereitet werden sehr gut vertragen, Schokolade und Eis sollten mengenmäßig reduziert werden. Kleine Mengen dafür genussvoll essen.
Ist Süßstoff oder Honig gesünder als Zucker?
Keineswegs! In einer Mehrzahl von Studien wurde zwar der hohe Zuckerverzehr bei Patienten mit Morbus Crohn nachgewiesen, doch konnte gezeigt werden, dass diese Patienten auch bereits vor Beginn der Symptomatik einen hohen Zuckerkonsum hatten. Ob die Entstehung der Erkrankung mit der erhöhten Zufuhr von Zucker korreliert ist sehr fraglich. Als Gegenargument werden immer wieder Länder wie Saudi Arabien oder Marokko zitiert, diese haben den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker, die Erkrankung Morbus Crohn tritt dort aber höchst selten auf. (Kasper, Ernährungsmedizin und Diätetik 10. Auflage 2004)
Kann ich mit Hefe, Backpulver kochen, backen?
Es gibt Beobachtungen, dass durch Meiden von Hefe die Krankheitsaktivität rückgängig ist. Ob dies eine eindeutige ernährungstherapeutische Maßnahme darstellt, muss noch geklärt werden. Backpulver kann auf alle Fälle verwendet werden. (Kasper, Ernährungsmedizin und Diätetik 10. Auflage 2004)
Werden Getreidekeime gut vertragen?
Getreidekeime bestehen aus dem Keimling des Getreidekorns. Sie werden als ganze Keime, gequetscht, als Flocken oder gemahlen angeboten. Das Angebot besteht aus Weizenkeime und Weizenkeimflocken, Roggenkeime und Roggenkeimflocken, Maiskeime und Maiskeimflocken, Malzkeime und Malzkeimflocken. Diese werden meist gut vertragen. Bei Gallensäureverlust, vor allem beim Kurzdarmsyndrom sollten Getreidekeime nicht täglich konsumiert werden, da die meisten Getreidekeime einen höheren Gehalt an Oxalsäure aufweisen. Durch die geringe Gallensalzkonzentration bzw. bei Fettstühlen wird die Resorption der oral aufgenommenen Oxalsäure gesteigert ist. Es kommt zu einer Oxalurie was die Entstehung von Nierensteinen begünstigen kann.
Sind Konservierungsstoffe, Emulgatoren zu vermeiden?
Europaweit sind rund 350 Zusatzstoffe für Lebensmittel zugelassen. Alle Konservierungsmittel, Farbstoffe, Antioxidantien, Emulgatoren, Gelier-, Verdickungsmittel, Stabilisatoren, Zuckeraustauschstoffe, Süßstoffe, sonstige Zusatzstoffe wie z. B.: Säuerungsmittel, Geschmacksverstärker, Trennmittel, Überzugsmittel, Treibgas und Enzyme haben ihren eigenen Nummerncode, eine so genannte E-Nummer. Die Zusatzstoffe werden von vielen in der Bevölkerung kritisch hinterfragt und es stellt sich die Frage, wie weit können wir durch die gezielte Auswahl von Lebensmitteln zu einer Minimierung der Zusatzstoffe beitragen. Der Hersteller ist verpflichtet die E-Nummern auf verpackten Lebensmitteln in der Zutatenliste zu deklarieren. Ob statt einer Nummer der vollständige Name des Zusatzstoffes genannt wird, bleibt dem Hersteller überlassen. Dadurch wird der Konsument sehr verunsichert. Die Arbeitkammer hat eine sehr informative, medizinisch wissenschaftliche Broschüre - Lebensmittelzusatzstoffe - herausgebracht. http://wien.arbeiterkammer.at/pictures/d32/Lebensmittelzusatzstoffe1.pdf Eine für chronisch entzündliche Darmerkrankungen kritisch hinterfragte E-Nummer ist das Carrageen – E 407. Es wird aus Rotalgen erzeugt und als Dickungsmittel für Desserts, Eiscreme etc. verwendet. Im Tierversuch wurden durch den Konsum von Carageen Geschwüre im Darm festgestellt. Für Menschen konnte das allerdings bisher nicht wissenschaftlich belegt werden. Grundsätzlich kann empfohlen werden, die Produktauswahl so zu treffen, dass damit möglichst wenig Zusatzstoffe aufgenommen werden. Lesen Sie die Liste der Inhaltsstoffe auf jedem Produkt aufmerksam durch. Manche Zusatzstoffe können allergische Reaktionen oder eine Unverträglichkeit auslösen. Bei Patienten mit einem verminderten Allgemeinzustand, könnte dies zu einer Verschlechterung des Krankheitszustandes führen.
Womit würze ich schmackhaft?
Die beste Methode schmackhaft zu würzen ist die Verwendung von Küchenkräutern (Petersilie, Thymian, Rosmarin, Kerbel etc.). Diese bringen viel Geschmack in das Essen. Tipp: geben Sie frische Kräuter erst kurz vor dem Servieren in ihr Essen, dadurch bleibt der intensive Geschmack besser erhalten.
Lösen (Soja) saucen, Tomatenmark, Majonäse, Schlagobers Durchfälle aus?
Dies kann möglich sein. Gründe für derart ausgelöste Durchfälle könnten sein: Eine Fettunverträglichkeit – versteckte Fette sind in Majonäse, Schlagobers, Saucen enthalten. Eine Unverträglichkeit – hervorgerufen durch Zusatzstoffe, die in fertigen Saucen, Ketchup, Senf, Majonäse enthalten sind. Eine allergische Reaktion – hervorgerufen durch eine Eiweißallergie z. B. gegen Soja- oder Kuhmilcheiweiß. Eine Unverträglichkeit bzw. Malabsorptionsstörung – hervorgerufen durch den Gehalt an Sorbit - E 420 (Zuckeraustauschstoff) Bitte suchen Sie eine kompetente Ernährungsmedizinische Beratungsstelle auf, diese kann gezielte ernährungstherapeutische Maßnahmen individuell für sie erarbeiten.
Winterdepressionen - kann Ernährung helfen?
Eine ausgewogene Ernährung, genügende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen vor allem aber Essen mit Genuss ist auch im Winter empfehlenswert. Gegen eine Winterdepression ist Frischluft, Bewegung und Freude an den Dingen die man tut wichtig. Nutzen Sie die wenigen Sonnenstrahlen im Winter mit ausgedehnten Spaziergängen, diese heben die Stimmung.
Gewichtsprobleme durch Cortisoneinnahme - durch Ernährung beeinflussbar?
Das Essverhalten muss überprüft werden, unkontrollierte Essattacken vermeiden. Eine Einlagerung von Gewebsflüssigkeit - und damit Gewichtszunahme - ist manchmal nicht zu vermeiden, diese klingt jedoch mit Dosisreduktion oder Behandlungsende wieder ab.
Beinkrämpfe durch Magnesium – und Kaliummangel durch Ernährung ausgleichbar?
Die Ursache der Beinkrämpfe muss mittels einer ärztlichen Untersuchung festgestellt werden. Sollten diese durch eine sehr einseitige Ernährung bedingt sein, kann bei leichten Mängeln an Blutsalzen eine optimale Zufuhr von magnesium- und kaliumreichen Lebensmittel eine Verbesserung des Zustandes bringen. Ansonsten muss eine zusätzliche Zufuhr von Magnesium und Kalium vom betreuenden Arzt angeordnet werden.
Ernährung während der Schwangerschaft und CED?
Ist die werdende Mutter in dieser Zeit beschwerdefrei (Remissionsphase) sollte eine leichte Vollkost individuell nach Verträglichkeit eingenommen werden. Tritt ein akuter Schub in der Schwangerschaft auf, ist sofort eine Kontaktaufnahme mit dem behandelnden Arzt notwendig. Die Kostform wird den jeweiligen Verträglichkeitsstufen angepasst. Besonders bei einer bestehenden Mangelernährung und der Gefahr einer unzureichenden Energie- und Nährstoffzufuhr, muss eine optimale ernährungstherapeutische Intervention erfolgen. Hier benötigt die werdende Mutter bei unzureichender oraler Zufuhr von Nahrung eine parenterale oder enterale Ernährung oder eine optimale Zusatznahrung bzw. Nährstoffmodule.
Hautprobleme bei CED – Ernährung?
Auch hier sollte am Anfang eine ärztliche Untersuchung stehen um behandlungspflichtige Erkrankungen nicht zu übersehen. Mangelernährung kann zu Hautproblemen führen. Eine optimale ernährungstherapeutische Maßnahme muss individuell für den Betroffenen erstellt werden.
Schilddrüsenfehlfunktion und CED – Ernährung?
Die Form der Schilddrüsenfehlfunktion muss vom Arzt diagnostiziert werden. Sollte eine jodarme Kostform vom Arzt verordnet werden, ist der Ersatz des herkömmlichen jodierten Speisesalzes durch ein unjodiertes Salz die erste Maßnahme. Außerdem müssen Sie auf den Genuss von Meeresfischen verzichten.
Hilft die Lutzdiät?
Die Lutzdiät wird von dem österreichischen Arzt Dr. Lutz stark vertreten. Es handelt sich dabei um eine sehr kohlenhydratarme Kostform. Im Rahmen einer deutschen Crohn Studie wurde versucht den remissionserhaltenden Effekt einer kohlenhydratarmen Ernährung (Reduzierung auf 84 g Kohlenhydrate) im Vergleich zu einer Normalkost zu überprüfen. Dabei konnte kein Effekt der diätetischen Maßnahme im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt werden. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss aber berücksichtigt werden, dass kaum Patienten die kohlenhydratarme Diät während der zwölfmonatigen Studiendauer ausreichend konsequent eingehalten haben. (Kasper, Ernährungsmedizin und Diätetik 10. Auflage 2004)
Heilfasten nach Buchinger sinnvoll?
Heilfasten ist eine Form der „Entschlackung“ – „Entgiftung“ des Körpers. Beim Buchinger Heilfasten (benannt nach dem deutschen Arzt Dr. Otto Buchinger) werden für einige Tage nur Gemüsebrühe und Säfte gegessen bzw. getrunken. Damit kommt es zu einer sehr geringen Menge an Energie- und Nährstoffzufuhr. Noch dazu werden Einläufe zur Darmreinigung durchgeführt. Vorsicht bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen! Der schon geschwächte Körper erhält eine viel zu geringe Kalorien- und Eiweißzufuhr und besonders die tägliche Zufuhr von den sehr notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht gegeben. Kurzfristige Fastenkuren, wie z. B. nach Buchinger sollten nur gesunde Menschen durchführen – bei chronisch Erkrankten und bei längerfristigen Fastenkuren darf dies nicht ohne ärztliche Überwachung durchgeführt werden.
TCM – Ernährung
In der Remissionsphase spricht nichts dagegen – die Kostform muss individuell je nach Lebensmittelverträglichkeiten abgestimmt werden. In der Akutphase sollte die Ernährung nach TCM mit einer(m) DiätologIn oder einem Arzt (einer Ärztin) mit Zusatzausbildung TCM - Ernährung abgesprochen werden.
Ernährung im Urlaub/Ausland
Die Auswahl der Speisen muss individuell nach Verträglichkeit abgestimmt werden. Z. B. die südländische Küche enthält oftmals sehr viel Zwiebel, indische Küche – scharfe, fette Speisen – die Verträglichkeit ist damit oft nicht gegeben. Die größeren Probleme stellen aber meist die hygienischen Bedingungen dar. Vorsicht! Kein rohes Obst oder Gemüse (nur schälbares verzehren), kein Trinkwasser aus der normalen Leitung, kein Speiseeis, nur gut gegarte Speisen konsumieren (Ei, Huhn – Salmonellengefahr).
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