Einleitung

Allgemeine Informationen zur Erkrankung

Einleitung
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind in ihrer Entstehung trotz intensiver Bemühungen der internationalen medizinischen Forschung letztlich noch immer unverstanden und daher bisher nicht heilbar. In den letzten Jahren konnten aber substanzielle Fortschritte erzielt werden was das Verständnis der Entstehung von CED betrifft und wurden diese neuen Erkenntnisse teilweise auch bereits in Form neuer Therapien den betroffenen Patienten zur Verfügung gestellt. Insgesamt ist daher heute festzuhalten, dass zwar keine Heilung aber eine Kontrolle und Reduktion von Beschwerden möglich ist.
Frauen und Männer sind annähernd gleich häufig betroffen, der Erkrankungsbeginn liegt meist im dritten Lebensjahrzehnt, ein zweiter Erkrankungsgipfel findet sich zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Aber auch Kinder können von CED betroffen sein. Unbehandelt können diese chronisch fortschreitenden organischen Erkrankungen zu hohen psychischen und körperlichen Belastungen führen. Obwohl in den letzten Jahren viel Aufwand in Aufklärung und Bewusstseinsbildung gesteckt worden ist (siehe auch "Veranstaltungen") werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen oft erst nach Jahren richtig diagnostiziert. Das heißt nicht nur, dass Betroffene oft jahrelang an lästigen Beschwerden leiden sondern häufig auch, dass es durch die fehlende Therapie zu Schäden am Darm kommen kann die durch eine frühzeitige Therapie verhindert werden hätten können.

Epidemiologie
Für Österreich gibt es keine genauen epidemiologischen Daten zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Es ist aber möglich, Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern auf Österreich umzulegen. Ist man bisher von einer Häufigkeit von 30.000 bis 40.000 Erkrankten in Österreich ausgegangen so legen aktuelle Untersuchungen eine doppelt so hohe Zahl nahe. In den letzten Jahren ist eine starke Zunahme von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu beobachten wobei dies vor allem für den Morbus Crohn gilt. War die Colitis ulcerosa vor 15 Jahren noch doppelt so häufig als der Morbus Crohn so ist das Verhältnis heute bereits ausgeglichen (aktuelle Untersuchungen aus Frankreich).
Umgelegt auf Österreich sollte die Häufigkeit (Inzidenz) für CED zwischen 20 und 25  Betroffenen pro 100.000 Einwohnern betragen. Es ist daher in Österreich von etwa 60.000 bis 80.000 an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erkrankten Menschen auszugehen.
Aus Statistiken (Quelle: ÖBIG) ist abzulesen, dass es in den letzten 15 Jahren zu einer Steigerung von 270% (!) gekommen ist was stationäre Krankenhausaufnahmen mit einer Diagnose chronisch entzündliche Darmerkrankungen betrifft.
Besonders auffallend ist weiters, dass die Erstmanifestation einer CED immer früher stattfindet und die Häufigkeit im Kindesalter stark zugenommen hat (siehe auch iCED - Bereich Kinder- und Jugendheilkunde).

Krankheitssymptome
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind in Verlauf und Ausprägung sehr variabel und können unterschiedliche lange Darmabschnitte bis hin zum gesamten Verdauungstrakt betreffen. Der entzündete Darm hat aber auch Auswirkungen auf den gesamten Organismus denen in den letzen Jahren zunehmende Beachtung zuteil wird sodass auch aus diesem Aspekt die Notwendigkeit einer interdisziplinären Annäherung an dieses Krankheitsbild verständlich wird.
CED führen in über 90% zu Durchfall und ebenfalls fast immer zu Bauchschmerzen. Blutbeimengungen im Stuhl sind häufig, oft auch Inkontinenz. Erkrankte Menschen müssen sich relativ häufig einer Behandlung unterziehen und fehlen im Arbeitsprozess, 30% bis 40% der Betroffenen verlieren aufgrund der Erkankung ihre Beschäftigung. Die Beeinträchtigung der körperlichen Aktivität, das Wissen um eine chronische Erkrankung sowie typischerweise schubartig auftretende Durchfälle und Schmerzen stellen eine große Belastung für die Betroffenen dar.  In unserer Gesellschaft gelten derartige Symptome immer noch als Tabu und führen nicht selten zu sozialer Ausgrenzung und Isolation, zu großer psychischer Belastung bis hin zur Depression, Partnerkonflikte und der Verlust sexueller Beziehungen sind möglich. Dazu kommt die Angst vor häufig notwendig werdenden Operationen sowie einem erhöhten Krebsrisiko. CED sind lebenslängliche Erkrankungen, sie verlaufen meist schubförmig, die Abstände zwischen den Schüben können allerdings unterschiedlich groß sein und u.U. mehrere Jahre betragen. Da die Beschwerden oft als sehr beschämend erlebt werden, ziehen sich die Betroffenen zurück oder werden ausgegrenzt, wenn sie von ihrer Erkrankung berichten. Probleme in Familie und Beruf sind die Folge, die Lebensqualität nimmt deutlich ab. Durch die häufige Stuhlfrequenz wird der Alltag immer schlechter zu bewältigen, die Aktivitäten oft nach der unmittelbaren Verfügbarkeit von Toiletten geplant.  

Die Leitsymptome der CED sind:
• Durchfälle – bis zu 10 mal und mehr pro Tag
• Bauchschmerzen
• Blutbeimengungen im Stuhl und
• speziell beim Morbus Crohn das Auftreten von Fisteln (eitrige Verbindungsgänge vom Darm zu anderen Organen wie Haut, Blase, anderen Darmabschnitten, Scheide).
Auch außerhalb des Darms können Entzündungen auftreten, etwa an der Haut, an Gelenken oder an den Augen.

Der neue CED-Check:
10 einfache Fragen geben Aufschluss: [PDF]

Diagnose
Durch die zunächst oft nicht eindeutige Symptomatik kommt es häufig zu einer nicht unerheblichen Verzögerung in Diagnosestellung und Behandlung. Diese konnte in den letzten Jahren durch die zunehmende Sensibilität und Öffentlichkeitsarbeit von damit befassten Ärzten und auch die Organisation von Betroffenen in Selbsthilfegruppen zwar reduziert werden, der allgemeine Wissensstand der Durchschnittsbevölkerung hinsichtlich chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist aber nach wie vor als nicht vorhanden zu bezeichnen (repräsentative IMAS-Umfrage 2006). Laut einer aktuellen Umfrage beträgt die Verzögerung vom Erstsymptom bis zur richtigen Diagnose einer CED in Österreich 3,1 Jahre!
Die diagnostische Untersuchung eines Patienten mit chronischen Darmproblemen erfolgt durch genaue Befragung, klinische Untersuchung, Blutuntersuchung und verschiedene apparative Methoden wie Ultraschall oder Endoskopie, Verfahren die an der eigenen Abteilung bzw. innerhalb der SALK in Zusammenarbeit mit anderen Kliniken sowie in enger Zusammenarbeit mit der niedergelassenen Ärzteschaft und anderen Krankenhäusern durchgeführt werden.

Endoskopie
Die Durchführung einer Endoskopie (griechisch: end(o) = innen, darinnen; scopein = betrachten, untersuchen) ist zur Diagnosestellung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung unerlässlich. Während für die Diagnose einer Colitis ulcerosa die Spiegelung des Dickdarmes (Koloskopie) ausreicht, wird im Rahmen der Erstdiagnose eines Morbus Crohn in der Regel auch eine Magenspiegelung durchgeführt. Die Endoskopie ist die einzige Möglichkeit, den Darm direkt zu betrachten, sie dient dazu, die richtige Diagnose zu stellen, die Ausdehnung und den Schweregrad der Erkrankung festzustellen und Krebsvorsorge zu betreiben. Darüber hinaus kann endoskopisch, das heißt ohne Operation, in vielen Fällen auch eine erfolgreiche Behandlung von Komplikationen, z.B. von Engstellen durchgeführt werden.

Röntgen KontrasteinlaufEndoskopieBallondehnung

In seltenen speziellen Fällen kann auch eine Kapselendoskopie zum Einsatz kommen. Dabei schluckt der Patient eine 11mm kleine Kapsel die dann auf ihrem Weg durch den Dünndarm Bilder macht die der Arzt auswerten kann.  Neuerdings ist es auch möglich, mittels der Doppelballon-Enteroskopie den gesamten Dünndarm zu untersuchen und auch Gewebeproben zu entnehmen, Engstellen aufzudehnen oder Anderes.

Doppelballon-EnteroskopieDoppelballon-EnteroskopieDoppelballon-EnteroskopieDoppelballon-Enteroskopie

Kapselendoskopie und Doppelballon-Enteroskopie stellen einen wichtigen Beitrag in der Diagnostik (und teilweise Therapie) von isoliertem Morbus Crohn des Dünndarmes dar.
Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen müssen in ihrem Leben meist wiederholt endoskopiert werden. Umso wichtiger ist es daher, die Untersuchung für die Betroffenen so angenehm wie möglich zu gestalten. An der UK für Innere Medizin I (und auch am SA für interventionelle Endoskopie) wird jedem CED - Patient die Möglichkeit einer „Spritze“ angeboten wodurch Angst und eventuelle Bauchschmerzen minimiert werden können. Dadurch wird die Untersuchung selbst heute von den meisten Patienten als relativ erträglich und verglichen mit früher als regelrecht angenehm beschrieben. MAN MUSS ALSO KEINE ANGST VOR EINER SPIEGELUNG MEHR HABEN!
Was natürlich nicht erspart werden kann ist eine möglichst exakte Säuberung des Darmes. Diese sollte gewissenhaft durchgeführt werden da nur bei einem ganz sauberen Darm eine gute Untersuchungsqualität und Beurteilbarkeit gegeben ist!

Patienteninformation Endoskopie herunterladen

Therapie
Ist die Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung gesichert (in 10% ist keine eindeutige Zuordnung möglich) kann sich das Gespräch den möglichen Therapien zuwenden. Für die medikamentöse Behandlung ist innerhalb des Zentrums der Internist, der Gastroenterologe  zuständig. Die Möglichkeiten der Behandlung haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und vervielfacht. Fast immer jedoch ist für jeden Patienten / jede Patientin eine individuelle Behandlung erforderlich die Ihr Arzt im Rahmen des Besuches an der CED-Ambulanz mit Ihnen besprechen wird. Bitte stellen Sie alle Fragen die Sie beschäftigen, es ist für das Gelingen der Behandlung ganz entscheidend, dass Sie als Betroffene(r) von Ihrer Therapie überzeugt sind! Sollten während der Behandlung Fragen oder Probleme auftreten so wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an uns. Bitte verändern Sie Medikamente oder Dosierungen nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt bzw. wenn Sie sich gut auskennen!
Ob Sie mittels Tabletten, Granulat, Einläufen, Zäpfchen, Infusionen, Spritzen etc. behandelt werden,  hängt von einer Vielzahl von Parametern ab und wird mit Ihnen individuell festgelegt.

Vortrag medikamentöse Therapie ansehen