Interdisziplinäre Zentrum

für chronisch entzündliche

Darmerkrankungen Salzburg

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Kinder- und Jugendmedizin



Chronisch entzündliche Darmerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen


Am Kinderspital Salzburg besteht jahrelange Erfahrung in der Betreuung, Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.


Zurzeit umfasst das ärztliche Team 3 Personen, die im Rahmen der gastroenterologischen Ambulanz betroffene Kinder und Jugendliche betreuen. Das Ziel dieser Betreuung ist nicht nur fachlich- medizinischer Natur sondern berücksichtigt insbesondere die altersabhängigen Entwicklungsschritte der Patienten. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen können nicht nur zu erheblichen körperlichen Einschränkungen (zB Pubertäts- und Wachstumsstörungen) führen, sondern lösen psychosoziale Veränderungen innerhalb der Familie und dem Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen aus. Gemeinsam mit einem multiprofessionellen Team (Ernährungsberaterinnen, Psychologinnen und Psychotherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen, u.a.) wird wenn Notwendigkeit besteht, auf die Bedürfnisse  erkrankter Kinder und Jugendlicher eingegangen.

 Dr. Daniel Weghuber

WICHTIGES IN KÜRZE:



Wie häufig?


Die Häufigkeit des Auftretens   chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) liegt zwischen 20 – 25  Personen  pro 100.000 Einwohner, wovon ca. 25 – 30 % der PatientInnen  bereits vor dem 20. Lebensjahr erkranken ! Ca. 4 – 8 % erkranken bereits vor dem 5. Lebensjahr.



Welche Symptome?


In der Symptomatik dominieren bei Morbus Crohn die Symptome Bauchschmerz (80 – 85 %), Gewichtsstillstand bzw. Gewichtsverlust (ca. 80 %) und chronischer Durchfall (ca. 80 %).

Bei der Colitis ulcerosa stehen blutige und schleimig blutige Durchfälle im Vordergrund- sowohl tagsüber als auch nachts auftretend.


Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Leistungsabnahme  zählen zu den typischen  Begleiterscheinungen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Gerade bei Morbus Crohn kommen des öfteren Verlaufsformen  vor, die nur durch einen Wachstumsstillstand oder eine verzögert einsetzende Pubertät gekennzeichnet sind mit der Folge, dass insbesondere beim Morbus Crohn das Zeitintervall bis zur Diagnosestellung mitunter jahrelang verzögert sein kann.



Welche Untersuchungen?


Die Diagnostik setzt sich aus klinischen, laborchemischen, mikrobiologischen, radiologischen, sonografischen, endoskopischen und histologischen Untersuchungen zusammen.


Zur sicheren Diagnose führend ist die Darmspiegelung (Abb.1), in deren Rahmen mehrere Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden und anschließend untersucht werden (sogenannte histologische Untersuchung). Bei erstmaligem Verdacht des Vorliegens einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wird neben der Darmspiegelung zum gleichen Zeitpunkt eine Magenspiegelung mit Gewebsprobeentnahmen durchgeführt, zumal der Morbus Crohn in ca. 30 – 40 % der Fälle Veränderungen im oberen Verdauungstrakt zeigt und dies im Gegensatz zur Colitis ulcerosa steht, die den unteren Verdauungstrakt (Dickdarm) betrifft.


Die Lokalisationen der entzündlichen Veränderungen und die Aufarbeitung der Gewebsproben führt zur Diagnose einer Colitis ulcerosa oder eines Morbus Crohn. Trotz dieser sorgfältigen Untersuchungen kann bei ca. jedem 5. betroffenen Patienten im Rahmen der Erstdiagnostik noch keine exakte Zuordnung getroffen werden (sogenannte Colitis interminata).


Eine schonende und schmerzlose Vorgehensweise ist uns ein besonderes Anliegen, weshalb diese Untersuchungen entweder in Vollnarkose oder unter Verabreichung schmerzlindernder, entspannender und beruhigender Medikation durchgeführt werden.

Für nicht einsehbare Dünndarmabschnitte steht derzeit routinemäßig die Ultraschalluntersuchung (Abb. 2) sowie eine spezielle Magnetresonanzuntersuchung (Hydro-MRI, Abb. 3) zur Verfügung. Zukunftsweisende Methoden wie die Doppelballonendoskopie und Kapselendoskopie halten auch zunehmend in der Gastroenterologie des Kindes- und Jugendalters Einzug.



Welche Therapie?


Beim Morbus Crohn besteht die Möglichkeit einer ausschließlichen Ernährungstherapie mit „Elementarkost“ (niedermolekulare enterale Ernährung) über einen Zeitraum von 6 – 8 Wochen, woran sich eine weitere medikamentöse Therapie anschließt. Die medikamentöse Therapie bei Morbus Crohn beinhaltet die systemische Gabe von Steroiden, Immunsuppressiva (Azathioprin) und 5-Aminosalicylaten. In besonderen Situationen werden sogenannte Biologica (Infliximab) eingesetzt.


Bei der Therapie der Colitis ulcerosa und noch nicht genau klassifizierbaren chronisch entzündlicher Darmerkrankungen kommen ebenfalls Steroide, Immunsuppressiva und 5-Aminosalicylate zum Einsatz. Neben den systemischen Verabreichungen in Form von Tabletten oder Kapseln finden lokale Anwendungen in Form von Einläufen, Zäpfchen und Rektalschaum Anwendung. Chirurgische Eingriffe sind im Kindes- und Jugendalter insgesamt sehr selten und besonderen Situationen vorbehalten.

Die Zusammenarbeit unseres interdisziplinären Forums chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ermöglichst gerade in schwierigen Entscheidungsfragen optimale Hilfestellung.



Ergänzende Therapieformen:


Zur Bewältigung der Belastungen dieser chronischen Erkrankungen bieten sich psychologische Unterstützungen für die betroffenen und deren Familien an. Insbesondere werden Methoden des Stressabbaus als hilfreich erlebt, auch kreativtherapeutische Ansätze (Maltherapie, Musiktherapie) als begleitende Therapieformen werden besonders von Kindern und Jugendlichen geschätzt, da sie ihnen die Möglichkeit geben ihren Ängsten, Sorgen, Gefühlen, Schmerzen aber auch Hoffnungen Raum zu geben (siehe maltherapeutische Fotos).