Interdisziplinäre Zentrum

für chronisch entzündliche

Darmerkrankungen Salzburg

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Psychosomatik



Chronisch entzündliche Darmerkrankungen stellen einschneidende Lebensereignisse für die Betroffenen dar. PatientInnen müssen Belastungen, die durch die Erkrankung entstehen, bewältigen und sind somit immer wieder Stresssituationen ausgesetzt. Darüber hinaus beeinträchtigen Symptome der Erkrankung wie Durchfälle und Schmerzen, aber auch notwendige medizinische Untersuchungen die Lebensqualität. Immer wieder kommt es zu Ängsten und depressiven Verstimmungen, die sich zusätzlich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken. Das depressive Syndrom hat bei chronischen Krankheiten einen besonderen Stellenwert. Seine Häufigkeit liegt in Phasen der akuten Verschlechterung bei ca 20 -30 %. Das Erkennen dieser Symptome und ihre richtige Bewertung für den Krankheitsverlauf sowie die fachgerechte Behandlung sind für PatientInnenen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen besonders bedeutsam. Auch treten im Rahmen dieser Erkrankungen immer wieder Schlafstörungen auf. Angstlösende beruhigende Antidepressiva wirken sowohl stimmungsaufhellend und schlaffördernd als auch beruhigend auf den Darm. Es braucht somit die regelmäßige Zusammenarbeit mit PsychiaterInnen sowie psychologischen und ärztlichen PsychotherapeutInnen.

Dr. Erika Trinka, OA Dr. Christopher Kartnig, Mag. Anna Wenger

Verursachen psychische oder soziale Faktoren chronisch entzündliche Darmerkrankungen?


Es gibt keinen sicheren Hinweis, dass psychische Ursachen der Entstehung einer chronischen Darmerkrankung zugrunde liegen. Lebensereignisse können aber Einflüsse auf den Verlauf chronisch entzündlicher Darmerkrankungen haben. Diese Lebensereignisse zu verarbeiten, zu verstehen und zu „verdauen“, heißt weiteren Schüben vorzubeugen bzw. diese zu mildern oder zu verkürzen. Colitis-ulcerosa-PatientInnen berichten während eines Schubes rückblickend häufiger über belastende Ereignisse, die im Vorfeld eines Schubes aufgetreten seien, als sie das im beschwerdefreien Intervall tun. In kontrollierten Studien konnte jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass belastende Lebenssituationen einen Krankheitsschub auslösen können. Wichtig erscheint in jedem Fall das individuelle Erleben der PatientInnen. Besonders belastend erleben PatientInnen Trennungserlebnisse oder Befürchtungen über bevorstehende Trennungen, die sich dann nicht unbedingt in der Realität abgespielt haben müssen, aber zu einer tiefen seelischen Verletzung und Angst führen können.



Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?


Psychotherapie kann zu einer Verkürzung der Krankheitsschübe und Verlängerung des beschwerdefreien Intervalls beitragen. Auch kann aufgrund der Belastungen durch die Erkrankung oder einer bereits vorhandenen psychischen Störung - die möglicherweise durch das Vorliegen einer körperlich chronischen Erkrankung zum Ausbruch kam oder verstärkt wurde - eine psychotherapeutische Behandlung notwendig werden. Eine psychotherapeutische Behandlung muss individuell auf die Persönlichkeit des Patienten und auf dessen jeweilige Probleme ausgerichtet sein. Ziele sind die Bewältigung der Erkrankung und ihrer Folgen, die Erschließung neuer Ressourcen und die Erhaltung einer möglichst guten Lebensqualität. Entspannungsverfahren, etwa autogenes Training, führen zusätzlich zu einer Verbesserung der Angst und Depressionssymptomatik. Tiefenentspannung wie z.B. Hypnose beeinflusst auch das Schmerzempfinden günstig.



Die psychosomatische Behandlung umfasst daher:


1. ein diagnostisches Erstgespräch,

2. Hilfe bei der Krankheitsbewältigung,

3. Autogenes Training,

4. Motivation und Vermittlung zur Psychotherapie,

5. Psychosomatische Gruppen,

6. medikamentöse Behandlung.



Entspannungsgruppe:


Donnerstag, 14 – 15 h Gruppenraum des Sonderauftrags für Psychosomatische Medizin,

Landeskrankenhaus

Müllner Hauptstraße 48

5020 Salzburg